Traumreise

Der Weg ist schwer, der Weg ist weit,
Doch kann ich nicht zurück :
Wer einmal dein ist, Einsamkeit,
 Dem bist du Tod und Glück


Mein name ist Sherry. 

Das letzte Mal, dass ich eine längere Geschichte  geschrieben habe ist schon eine Weile her.
Diese hier handelt von einem Traum. Ein Traum im Traum oder wie man es nennt.

Man kennt es , wenn man im Bett liegt und die Augen schließt... Wenn man an Nichts denkt und den Kopf leer hat, dass man nicht nur Schwarz sieht, wie es doch so viele behaupten. 
Ich versuche es gerade wieder. 
Nein es ist nicht Schwarz. 
Ich sehe Grüne und Rote Flecke... Zwischendurch auch mal Orangene oder Blaue. 
Im Hintergrund läuft ein altes Lied von Speeed. Dickes B.
Die Flecken vor meinen Augen verwandeln und verbinden sich zu Bildern.. 
Die Musik wird zu einem Durcheinander. Wie in einer Oper vor dem Auftritt, wenn Alle kreuz und quer sprechen.
Jetzt weiß ich ,dass es der Beginn einer Geschichte ist, die nur eine Geschichte bleiben kann.
Wieso es so ist? Das weiß ich eben... 
Ich kenne diese Geschichte nur zu gut.

Eine große Wiese, es sieht aus als wenn dort Schnee liegt.. Aber nur wenn man von oben schaut. Kommt man näher, bemerkt man, wie die Gänseblümchen ihre kleinen Körper zu der Melodie des Windes schwenken. 
Es schaut so friedlich und harmonisch aus, dass das Mädchen auf der Wiese sitzen bleibt. Trotz der Rufe der Mutter, die weitergehen möchte.
Es dauert nicht lange bis das Kind versteht und der Mutter folgt.
Die Strahlen der Sonne dringen durch die Baumkronen und formen Bilder, die sich wie bei einem Schattentheater, hin und her bewegen. Faszinierend.. 
Diese Ruhe hat man zu selten. Die Vögel trillern ihre Tagesmelodie und locken ihren Lebenspartner zu sich. Die Sonnenstrahlen erwärmen die Erde. 
Es ist so ein wunderbarer Tag. 
Kein Chaos, wie man es sonst von dieser Erde kennt - Es ist ja auch nur ein Traum.
Vielleicht sogar mehr.
Das Mädchen ist nicht mehr zu sehen... Und ihre Mutter auch nicht. Stattdessen laufe ich den Park entlang und genieße die Ruhe.
Ich setzte mich auf eine Bank und starre auf den kleinen Fluss der dort entlangfließt. Mitten im Fluss ist eine kleine Insel... Dort wächst ein Kirschbaum, die Blüten hängen wie eine Perücke über dem Baum. Es ist alles so hell und rosa... Unter dem Baum ist ein Stein. Dort sitzt jemand.
Er trägt ein Hemd, das halb offen ist. Er hat eine karrierte kurze Hose an und keine Schuhe. Es sieht lustig aus.
Ich erkenne sein Gesicht nicht. Es ist gesenkt und starrt eisig auf das Wasser. Geht es ihm nicht gut? Ich beobachte ihn. 
Neben ihm liegt ein Buch. Es liegt offen mit den Seiten nach unten. 
Plötzlich seh ich seine Augen, er guckt direkt in meine Richtung... 
Dann lächelt er. 
Es ist ein warmes und liebes Lächeln. 
Kennt ihr diese Märchenprinzen, die zur Rettung der Prinzessin antretten und vor ihr stehen bleiben? Dieses Lächeln in dem Moment meine ich damit. So eins ist es.
Der Fremde winkt mir und zieht seinen Hut aus. Es folgt eine kurze Verbeugung.
...
...
...
Es winselt hinter mir. Ich drehe mich um und erblicke einen kleinen Hund. Niedlich.
Für einen kurzen Moment habe ich den Mann auf der Insel vergessen. Ich schau zu dem blühenden Kirschbaum, er ist weg. Dort ist keine Insel mehr .. Und der Mann ist auch weg.
Seltsam.
Ich schaue mich genauer um und stehe inmitten eines kleinen Marktes... 
Es st ein alter Markt. Das erkenne ich an den Personen und Ständen. Alle tragen etwas mittelalterliches... Eine Magd scheucht Gänse in ihre Käfige zurück. Wahrscheinlich sind diese für ein Bratenfest. Oder für die Bauern. Das weiß man nicht genau..
Ich laufe von Stand zu Stand. Ein dicklicher , bärtiger ,etwas älterer Herr reicht mir ein Stück Brot zur Probe. Es ist noch warm, wahrscheinlich frisch aus dem Ofen. Ich bedanke mich und gehe weiter. Ein kleines Mädchen, es ist das Mädchen von der Wiese, steht mit einem großen Korb am Rande und verkauft dichte, lange , rote Rosen. Zwischen ihnen sind nur 4 weiße Rosen soweit ich das erblicken kann. Ich nehme eine weiße. Sie duftet sehr intensiv. 
Der gepflastete Weg führt zu einem Palast.. Einem Schloss. Hier herrscht bestimmt ein netter König, denn alle Menschen sind froh und munter.
An mir reiten mehrere Ritter vorbei. Auf einem Schwarzen Pferd ist ein blonder Mann. Er lächelt mir zu und folgt dann wieder aufmerksam seiner Truppe.
Vom Schloss her erklingt Musik. Trompeten und Geigen eine schöne und zugleich fröhliche Melodie umschlingt das Schloss. Ich folge Menschen, die auf dem Weg dorthin sind. Alle tragen sie schöne Kleider oder Anzüge. 
Ich mag mein Kleid. Es ist in einem hellen Rot. Kleine Röschen machen es zu dem was es ist. Es ist weit geschnitten und geht zum Boden. Ich zieh es ein Stück hoch, immerhin soll es bis zu dem Schloss sauber bleiben.
Die Eingangshalle ist riesen groß. Es folgen immer neue Leute in den Saal... Die Beleuchtung ist dezent, aber nicht zu dunkel. Vorne sitzen der König und die Königin voll beleuchtet auf ihrem Thron. So haben sie alles im Blick...
Neben den zweien ist ein weiterer Thron. Nicht so elegant wie das des Königspaares, aber dennoch ausgefallen auf seine eigene Art. Dort sitzt niemand. Wahrscheinlich die Tochter des Paares oder der Sohn?... 
Die Leute drehten sich alle in eine Richtung. Ab und zu hörte man ein Bewunderungsstöhnen von den einzelnen Leuten. Alle blickten sie zu einem Mann, der gerade eine lange gewolbene Treppe hinunterkam.
Ich kannte ihn.
Es ist der Mann von der kleinen Insel.. der der plötzlich weg war.
Musste er etwa hierher und war in Eile?
Er hatte kein Hemd mehr an .. Und trug Schuhe. Sie waren schwarz und wirkten sehr elegant.
Auch sein Gang entsprach nicht jemandem der in einem Freizeithemd und ohne Schuhe rumlief, sondern eher dem Gang eines berühmten Stars. 
Er hatte faszinierende Augen. Das fiel mir auch schon auf der Insel auf. 
Sie waren Smaragd-Grün. Wunderschön... Atemberaubend.
In meinem Bauch spürte ich wieder ein komisches Gefühl. Es kitzelte ein bisschen.
...
...
...
Gerade als ich auf ihn zugehen wollte um ihn zu begrüßen wehte eine kalte Briese in den Saal. Meine Haare wehten mir in mein Gesicht und verdeckten  den Blick auf den Mann. 
Ich strich mir die Haselnussbraunen Strähnen aus dem Gesicht und lächelte, als mir eine Schneeflocke auf der Nase landete und mich sanft berührte...
Mein weiß-silbender Mantel berührte den weichen , schneebedeckten Boden.
Die kleine Krone auf meinem Kopf war verrutscht . Ich richtete sie und lächelte glücklich...
Die Waldfeen schwirrten um mich herum und schenkten mir ihr wunderschönen Glitzerstaub, der sich auf meinem warmen Mantel ausbreitete und ihm den richtigen Schimmer schenkte. 
Layene, eine niedliche Frostfee, verlor für einen Moment ihr Gleichgewicht und flog  gegen meine Wange. Ich fing das kleine Wesen in meiner Handfläche auf. Ihre Schulterlangen schwarzen Locken erstreckten sich in alle Richtungen. Die Eisblaue Blume in ihrem Haar lag ebenfalls auf meiner Handfläche. Mit Zeigefinger und Daumen der freien Hand, nahm i    ch vorsichtig das Blütchen und legte es wieder in ihre Lockenpracht. 
Sie lächelte mir wieder zu und flog mit ihren Frostfreundinnen voran. Hinter den 4 Feen erstreckte sich ein bunter Lichtfaden. Jede hatte eine eigene Farbe ... 
Die süße dunkellockige Layene hatte hellblau. Passend zu ihren Augen und der duftenden Blume in ihrem Haar. 
Maya, eien sommersprossige, etwas mollige Fee hatte die Farbe Gelb.
Anastacia, die wohl eleganteste der vier trug ein leuchtend grünes , langes Kleid. Es passte super zu ihren roten langen Haaren. Es war ein schönes dunkelrot. Nicht dieses ausgewaschene Orange-rot.
Anastacias Schwester Zoey, ebenfalls mit roten Haaren, dennoch mit einem lilanen Schimmer, hatte im Gegentel zu ihrer Schwester ein eher kindliches Gesicht. Trotzdem waren alle vier niedlich. 
Der Lilane Lichtfaden gefiel mir am meisten... Es hatte dieses schöne Orchideenenlila..
Einer meiner Lieblingsblumen.
Ich folgte ihnen. Zog den schweren Mantel ein Stück hoch, um nicht hinzufallen und bewegte mich in Richtung einer Stadt, die im hellen Sonnenaufang wie ein Kristall wirkte. 
Das schwache Sonennlicht brach in den Eiszapfen der Dächer. 
Es wa die bunteste und farbenfrohste Stadt, die ich je in einer großen Schneewüste gesehen hatte. Es war bezaubernd.
Eine silberglitzerne Kutsche fuhr heran. Die so zerbrechlich aussehende Tür wurde mir von einer Dame im Schwarzen Umhang, den sie unter dem Kinn befestigt hatte geöffnet.
Im Inneren des Gefährts war es mulmig warm und sehr bequem.
Ich fühlte mich wie eine Märchenprinzessin.
Naja, was heißt ich fühlte mich so? Hier im Glimstedt war ich es.
Prinzessin Sherry.
Lustig , der Gedanke. Gerade jetzt bin ich Prinzessin wo doch mein Traumprinz in seiner Welt ist.
Die Zeitspanne und die kleinen Reisen und Aufenthalte dauern wirklich nicht lange.
In keinem Traum schaffe ich es zu einem wirklichen Wortwechsel mit meinem Prinz Charmin ... Dabei würde ich doch gerne. Er erinnert mich an jemanden.
Die Fahr führe durch die ganze Stadt zu einem kleinen Eispalast. Wie alles war auch hier die Farbenpracht so ausgeprägt, das es eigentlich nur ein Künstler in dieser Art und Weise demonstrieren könnte.
Doch hier bin ich mein eigener Künstler. Mein eigener Gott... Hier mache ich meine Gedanken zur Wirklichkeit. 
Mir wird das ja nicht gegonnt.
Wisst ihr, manchmal möchte ich gar nicht wahrhaben, das es alles nicht Real ist. Dass das hier, diese Gedanken, nur Tagträume eines Mädchens mit Wünschen sind.

Wir kamen zum Stehen und kurze Zeit nach dem Halt wurde meine Tür geöffnet und mir  wurde aus der Kutsche geholfen...
Anastacia, die kleine Fee saß auf meiner Schulter und als mir die Kutscherin aus dem Wagen half, musste sich meine kleine Fee an mir festhalten... So tolpatschig wie ich bin rutschte ich natürlich auf dem schneebedeckten Boden aus und fiel auf meinen Po. 
Zum Glück war der Mantel so schön dick und fing mich sanft auf , sodass ich mir nicht wehtun konnte..
Die Dame in Schwarz hilft mir auf und unterdrückt ein kichern.. Ich bin ihr nicht böse und lache mit. Man sollte doch immer über sich lachen können , oder?
Ja, das ist eine schöne Welt in der ich mich befinde. Ich liebe diese friedliche Aura, die hier überall umher schwirrt !
Die letzten paar Schritte zu dem Eispalast schaffte ich dann auch ohne hinzufallen. Die großen Türen schwingen auf und vor mir erscheint mein Prinz. 
Wisst ihr noch? Der Kerl auf der Insel.. Der auf dem Pferd und auch der junge Prinz im Königssaal... Das alles ist der gleiche Mann.
Und wieder schmilzt mein Herz dahin. Er ist einfach so atemberaubend...
Dass ist der Moment, in dem ich in seinen Armen liege.
Er hat einen starken Griff, einen warmen starken Griff und ich fühle mich sicher. 
Ich beuge mich zu ihm hin und der kleine Abstand zwischen unseren Lippen wird versiegelt... 
Seine Worte hallen wie Musik in meinen Ohren " Ich liebe dich !"
Diesen Kuss und dieses Gefühl vergesse ich nie, dass weiß ich.
Und solange ich diesen Traum habe, der immerwieder so wunderbar ist...
vergesse ich ihn nicht.
...
...
...
Ich öffne die Augen und starre die Decke in meinem Zimmer an. Mein Blick geht nach rechts, zu meinem Nachttisch und zu dem rosanen Wecker dort drauf. 
Ich habe 4 Stunden geschlafen, naja... Mir kam es vor wie eine Ewigkeit. So schlimm find ich das nicht, ich schlaf gerne noch eine Runde und schlinge meine Arme um den Prinzen Damian...
Ich strecke meine Hand aus und öffne die letze Schublade aus dem Nachttisch. 
In meiner Hand ist ein Zeitungsartikel. Ich sehe ihn an und spüre wie mir Tränen aufsteigen.
Gute Nacht Geliebter .

-Schwerer Autounfall mit einem Toten. Beifahrerin überlebt. Damian Andrew, 23 Jahre fährt nach einer Weihnachtsfeier mit seiner Freundin die Landstraße entlang. Der Fahrer verliert die Kontrolle , er ist sofort tot... -

© Nicci Wa